Gezeigt wurden 29 Arbeiten auf Papier von Georg Baselitz aus der ehemaligen Sammlung Wolfgang Hahn (1924-1987). Hahn galt als Galionsfigur der Kunstszene im Rheinland und trat als Mittler zwischen Künstlern, Sammlern und Museen auf. Bereits sehr früh begann er mit dem Ankauf von sowohl amerikanischer Pop-Kunst als auch europäischer Avantgarde, deren Werke er erstmals 1968 in einer legendären Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum in Köln präsentierte. Er inspirierte und beriet private Sammler, darunter Peter Ludwig, und war außerdem Gründungsmitglied der Gesellschaft für Moderne Kunst in Köln, die alljährlich den nach ihm benannten Wolfgang Hahn-Preis während der Kunstmesse ART Cologne verleiht.
In einer Zeit in der das Verständnis für zeitgenössische Kunst in Deutschland neu erwachte, spielte der 1938 in Deutschbaselitz geborene Maler und Bildhauer Georg Baselitz, alias Georg Kern, eine herausragende Rolle. Nach seinem Kunststudium 1956 in Ostberlin und seit 1957 in Westberlin fand er sehr schnell einen eigenen künstlerischen Weg parallel zur realistischen Darstellungsweise. 1966 begann er seine Sujets zu zerlegen, ab 1969 stellte er sie auf den Kopf und entfremdete sie damit ihrer eigentlichen Form. Diesem Gestaltungsprinzip ist er bis heute treu geblieben. Die in der Sammlung Hahn wiederkehrenden Motive „Adler“, „Orangenesser“ und „Kopf“ dokumentieren die Auseinandersetzung des Künstlers mit Themen wie Macht und Sexualität. Das phallische Kopf-Motiv, isoliert, klein, mit riesigen Ohren auf einem hodenähnlichen Hals erinnert beispielsweise an den Brauch alter Kulturen, die Schädel ihrer Vorfahren zur Stärkung der Fruchtbarkeit aufzubewahren. Das im Werk von Baselitz über viele Jahrzehnte wiederkehrende Motiv des Adlers gilt als uraltes Symbol sowohl für die Unbezwingbarkeit der Natur als auch Staatsmacht und andere Mächte.
Hahn wählte seine Werke nach dem Gesichtspunkt aus, dass möglichst viele Aspekte des künstlerischen Schaffens sichtbar würden. Das für die Ausstellung ausgewählte Konvolut von Gouachen, Aquarellen und Zeichnungen aus den Jahren 1959 bis 1984 ist daher exemplarisch für das künstlerische Schaffen von Georg Baselitz.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.